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Die Gründung von Lindt & Sprüngli

Eine vortreffliche Verbindung

Erfolg hatte Rodolphe Lindt mit seiner "Chocolat Fondant", der ersten zartschmelzenden Schokolade – und auch die Anerkennung der vornehmen Berner Gesellschaft. Alle bestellten sie seine Chocolat fondant. Und bestellten immer mehr. Doch sie warteten. Zunächst geduldig. Später irritiert. Zuletzt wütend. Seine alte Fabrik, dort unten an der Aare, war viel zu klein, ächzte, stöhnte.

Und was tat Rodolphe Lindt?

Das alles beschäftigte ihn nicht: Er genoss sein Leben, auf der Jagd, an Vernissagen, in Salons. Verkaufte die "Chocolat Fondant" den vornehmen Töchtern in den Neuenburger und Berner Pensionaten. In die Fabrik ging er nur, wenn ihm der Sinn danach stand. Und er nahm das Angebot des Konditors Jean Tobler an, als Handelsreisender in Sachen Lindt für noch vollere Auftragsbücher zu sorgen.

Lindt's Geheimnis auf der Spur

Gleichzeitig arbeitete die ganze Welt daran, sein Geheimnis zu lüften: doch, zum Glück, wollte sich kein Erfolg einstellen. Und so kamen die Angebote. Einer deutschen Gesellschaft ist das Geheimrezept tollkühne drei Millionen Mark wert. Doch dieses aus den Händen zu geben? Rodolphe Lindt lehnte ab.

Späte Einsicht

Mitte der 1890er Jahre war seine kleine Fabrik abbruchreif, eine Modernisierung unumgänglich. Und die Frage drängte: Wie ließe sich der Stapel von Bestellungen verkleinern? Rodolphe Lindts Stirn zeigte erste Sorgenfalten. Und genau die brachten ihn dazu, einen Mann zu treffen, der ihm extra aus Zürich entgegenreiste.

Menschenkenntnis

Fast zwanzig Jahre nach der Erfindung der Chocolat fondant war es. In Olten, auf halbem Weg nach Zürich: Da traf Rodolphe Lindt diesen Mann, der berühmt war für seine eigene Schokolade – viel mehr noch aber für seinen Unternehmergeist. Dieser Mann wusste: Rodolphe Lindt müsste weiterhin tüfteln können und – mindestens genau so wichtig – über seine "Chocolat Fondant" mitbestimmen.

Das Angebot

So schlug er Lindt vor, ihm die Marke abzukaufen. Und dieses brilliante Geheimnis des Conchierens gerne auch. Zu einem guten Preis, das sei klar, und mit Mitsprache, verstehe sich, und ohne Verpflichtungen. Und ja, auch die Mitarbeiter der Lindtschen Berner Fabrik – sie alle würden übernommen werden.

Der Anfang einer langen Erfolgsgeschichte

Der Rest ist historisch. Heute würde man von einer klassischen Win-Win-Situation sprechen. Schliesslich erhielt jeder genau das, was er vom anderen haben wollte: Hier der Fabrikant und wohlhabende Geschäftsmann aus Zürich, dort der Schöpfer der "Chocolat Fondant" und Träger des geheimen Rezeptes aus Bern. Sie ahnten, wussten es aber noch nicht: Die neue Firma stand am Anfang einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Ein neues Zeitalter bricht an

Als Rodolphe Lindt den Sprünglis, Vater und Sohn, das Geheimnis verriet, war das Staunen gross – und Weitererzählen verboten. Das Geheimnis kam in einen Tresor, wo es heute noch ist. Und schon bald wurde "Chocolat Fondant" in einer modernen Fabrik in Kilchberg bei Zürich hergestellt.. Für Nicht-Berechtigte galt natürlich: Zutritt verboten.